Samstag, 24. Juni 2017

Fristlos gekündigt! [Schreibschnipsel]

Heute habe ich euch mal etwas anderes mitgebracht. Den Text, den ich mit euch teilen möchte, habe ich zufällig wiedergefunden. Wenn ich mich recht erinnere, habe ich ihn während meines letzten Schuljahrs vor drei oder vier Jahren geschrieben. Vielleicht kann sich der ein oder andere damit identifizieren.

Quelle: pixabay.de



Fristlos.

Ein herzliches Willkommen zurück!
Obwohl… eigentlich möchte ich dich  gar nicht willkommen heißen und schon gar nicht herzlich, deswegen muss dir ein ‚Guten Tag!‘ ausreichen!
Hmm… Wenn ich darüber nachdenke, dass ‚Guten‘ kann ich mir bei dir auch sparen.
Bleiben wir also bei einem einfachen ‚Hallo‘.
Hallo Stimme, die mir sagt, ich sei nicht gut genug und habe auch nicht genug geleistet!
Du warst längere Zeit abwesend und ich dachte – nein, ich hoffte, du wärst für immer ausgezogen. Es hat mich noch nicht einmal gestört, dass du dich nicht verabschiedet hast. Aber so war es wohl nicht. Du warst nur im Urlaub, sagst du? Warum meldest du dich dann gerade jetzt zurück? In dem Moment, in dem alles über mich herein bricht. Warum nicht früher, warum nicht später? Warum überhaupt? Denkst du, du könntest deinen Platz in meinem Haus einfach wieder einnehmen?
Ich bedauere es zutiefst, – wer’s glaubt – die nächsten Worte schreiben zu müssen. Mir bleibt – glücklicherweise – keine andere Möglichkeit.
Es ist nämlich so: Ich habe deine Räume weiter vermietet. Ich muss sogar zugeben, dass ich sie endgültig verkauft habe. Sie gehören nicht mehr dir. Du hast jeglichen Anspruch verloren. Die Zimmer sind nun Eigentum der Stimme der Wahrheit.
Vielleicht bist du ihr einmal über den Weg gelaufen. Sie ist eindeutig ein angenehmerer Zeitgenosse als du. Sie macht mir keinen Druck und sie nimmt mich an, wie ich bin. Sie verurteilt mich nicht und nutzt ihre Worte, um mich aufzubauen und nicht niederzudrücken. Sie definiert mich auch nicht über meine Leistungen.
Ich frage mich, wie ich es solange mit dir als Untermieter ausgehalten habe. Ich merke jetzt, wie krankt du mich gemacht hast. Hast du gehört? Du machst mich ganz krank!
Ach, ich werde dir zu ausfallend? Dafür entschuldige ich mich gerne, aber du solltest den Anstand besitzen, dich auch bei mir zu entschuldigen. Für all die Zeiten, in denen du mich bedrängt, unterdrückt, beleidigt und klein gemacht hast. Du solltest mich auf Knien anbetteln, dass ich dir verzeihe.
Du hast mir gesagt, ich sei nicht genug, nicht gut genug. Du hast mir gesagt, ich hätte nicht genug geleistet. Nie hast du mir die Hand gereicht, wenn ich gefallen bin. Du hast mich ausgelacht. SO laut, dass es mir in den Ohren wehgetan hat. Ich hätte ja mehr machen müssen, ich hätte mehr wollen müssen.
Ich hätte, hätte, hätte…
Du hast mir all die Jahre Lügen erzählt. Nie hast du mir erklärt, dass es Situationen und Momente gibt, die ich nicht beeinflussen kann. Ich konnte sie einfach nicht ändern, egal wie viel ich es wollen und wie viel ich dafür leisten würde. Du hast mir für alles die Verantwortung in die Schuhe geschoben. Schließlich hätte ich nur mehr machen müssen. Dann wären die anderen stolz auf mich gewesen, würden mich heute mehr lieben und schätzen. Merkst du eigentlich nicht, wie blind du für Wahrheiten bist?
Ich habe nun die Wahrheit erfahren und brauche die Lügen nicht mehr, die mich umspinnen wie eine Spinne ihre Beute. Du wolltest mich auffressen, von innen heraus zerstören. Du hast mein Vertrauen missbraucht! Mir wurde die Binde von den Augen genommen und ich kann klar sehen. Das, was ich mache, ist genug. Meine Eltern und Freunde lieben mich wegen mir und nicht wegen meiner Leistungen. Ich bin genug und meine Leistung definiert mich nicht.
Deswegen ist dies die schriftliche Kündigung für den Platz in meinem Leben. Verzieh dich endlich! Ich brauche dich hier nicht! Nur die Wahrheit ist für mich von Relevanz. Sie ist ausschlaggebend, macht frei und glücklich.
Die Stimme der Wahrheit nimmt mir den Druck.
Du hast gelogen, nur gelogen. Ich kann Lügner nicht leiden!
Deswegen muss die Wohnung nun vollständig von dir geräumt werden. Du bist fristlos gekündigt!
Mit freundlichen Grüßen
Deine ehemalige Vermieterin

1 Kommentar:

  1. Hallo, meine Liebe!

    Ich find den Text richtig gut! Und ja, irgendwie finde ich mich darin auch ein wenig wieder. Zumindest manchmal.
    Daumen hoch! <3

    Liebe Grüße
    Cara

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