Mittwoch, 14. Juni 2017

Talk-Stage mit Anke Unger

Aloha und herzlich Willkommen auf der Talk-Stage!

Quelle: pixabay.de / User: lillaby
Ich habe ganz wunderbare Gäste, die ich Woche für Woche auf der Talk-Stage begrüßen kann. Letztes Mal hatte ich die wundervolle Jo hier bei mir, dieses Mal darf ich die liebe Anke begrüßen.


 Herzlich Willkommen, Anke Unger! Es ist mir eine Ehre, dass ich dich für ein Interview begeistern konnte und du dich tapfer meinen Fragen stellen möchtest. 

© privat




Anke Unger genießt die urwüchsige Natur Schwedens, in der sie gemeinsam mit ihrer Familie lebt. Dort fantasiert sie von unsichtbaren Welten und außergewöhnlichen Wesen. (Quelle: www.carlsen.de)



Das letzte Interview sah etwas anders aus, aber ich möchte natürlich nicht meine kleine Rubrik Randomtopics unter den Tisch fallen lassen. Daher werde ich dir jetzt einige Fragen stellen, Anke, die dir und dem Leser vielleicht etwas willkürlich erscheinen mögen - was sie natürlich auch sind *lach*

Bereit?

Gut. Erste Frage:

Wenn du einen deiner Sinne abgeben müsstest – hören, sehen, fühlen – welcher wäre das und warum?

Auf das Hören könnte ich am ehesten verzichten, die beiden anderen Sinne zu verlieren, wäre eine Katastrophe, weil ich sehr visuell und auch sinnlich orientiert bin.



Ich merke gerade selbst, dass das eine gemeine Frage war. Denn Hören bedeutet ja keine Musik. Wie soll man ohne Musik leben?

Naja, vielleicht geht das ja irgendwie. Weiter im Text. Wenn du die Möglichkeit dazu hättest, welche Person wärst du gerne in der Geschichte?

Areshva, natürlich! Deswegen habe ich die Geschichte überhaupt geschrieben, weil ich es so toll fand, in meinen Phantasien mächtig und mutig sein zu können, am liebsten die Welt nach meinen Wünschen steuern zu können – wovon ich im realen Leben weit entfernt bin.



Das klingt nach einer interessanten Motivation, ein Buch zu schreiben. Aber darüber wisst du uns nachher noch ein wenig erzählen. Deswegen erst einmal zu dir als Person. Ich bin natürlich sehr neugierig. Welche schlechte Angewohnheit hast du?

Ich bin konfliktscheu und habe Probleme damit, Leuten ins Gesicht zu sagen, wenn mir etwas nicht passt. Auf dem Papier kann ich das, im realen Leben leider nicht und bin dadurch schon häufig in langwierige Stresssituationen hereingerutscht, die ich eigentlich mit ein paar Worten hätte beheben können.



Die liebe Kommunikation. Ich kann da gerade ziemlich mitfühlen, denn ich bin da ähnlich gestrickt. Vor allem bin ich ziemlich harmoniebedürftig.

An dieser Stelle möchte ich in den nächsten Teil einsteigen. Verrate mir:





Erdbeere oder Kirsche?
Erdbeere!



Sekt oder Bier?
Eindeutig Sekt (ich mag kein Bier)!



Hardcover oder Taschenbuch?
Taschenbuch ist okay.



Twilight oder Tribute von Panem?
Twilight!
Das Buch hat mich anfangs begeistert. Natürlich hat es auch einige Mängel und der letzte Band ist einer der extrem wenigen, bei dem ich den Film besser fand als das Buch. Tribute von Panem hat ein spannendes Setting, aber Katniss ist emotional schwer gestört und die ärgerliche Liebesgeschichte hat mich so abgetörnt, dass ich den dritten Band nicht mehr gelesen habe.



Buch oder Hörbuch?
Buch! (Hören ist mir zu anstrengend).



Haus- oder Gartenarbeit?
Garten! Ich bin ein Outdoor-Mensch. Und definitiv keine gute Hausfrau.



Kopfhörer oder Lautsprecher?
Lautsprecher. Ich mag gern, wenn andere mithören können.



Tee oder Kaffee?
Kakao *grins*



Tag oder Nacht?
Tag



Chaotisch oder Ordentlich?
Für meine Umgebung gehöre ich wohl am ehesten zur Chaosfront. Ich stapele die noch zu erledigende Arbeit in thematisch abgegrenzten Haufen auf meinem Schreibtisch, damit ich nichts vergesse. Ich vergesse nämlich alles, was ich nicht mehr sehe. So sehe ich auf einen Blick, wie viel noch wovon zu tun ist. Das sieht schon leicht mal chaotisch aus, aber es hat ein System.



Wenn du dich in deinem Chaos zurecht findest, dann ist doch alles super. Wie war das noch mal? Das Genie beherrscht das Chaos?

Nachdem du dich jetzt allen anderen Fragen gestellt hast, möchte ich auf das Schreiben und deinen aktuellen Roman zu sprechen kommen.

Wenn du "Göttin der Dunkelheit" in drei Worten beschreiben müsstest, welche wären es?
Fantasiewelt, starke Heldin, Romantik.



Ich bin schon sehr gespannt. Den Klappentext fand ich nämlich sehr ansprechend. Es dreht sich ja irgendwie auch viel um Licht und Finsternis. Was verbindest du selbst mit dem Bild?

Das ist ein archaisches Bild und ich glaube, alle Fantasyromane beschäftigen sich mehr oder weniger damit, eine böse Welt zu überwinden und eine gute wiederherzustellen. Fast immer wird die böse Welt dunkel dargestellt und die gute hell.

Ich fand es besonders faszinierend, diesen Kampf auf zwei Ebenen stattfinden zu lassen: natürlich gibt es die üblichen „Bösen“, die man bekämpft, weil sie das Land terrorisieren. Aber meine Heldin ist auch selbst eine „Dunkle“, sowohl äußerlich – schwarzhaarig und mit dunklen Flügeln – als auch innerlich, denn sie gerät auf Abwege und wird eine Dienerin der dunklen Götter. Sie muss also, um zu gewinnen, gleichzeitig einen Kampf gegen das Böse in sich selbst und gegen das äussere Böse führen.

Genauso habe ich auch die gute Seite in zwei Ebenen unterteilt. Zum einen verkörpert Areshvas Geliebter Silvrin den „guten Helden“, zum anderen gibt es auch gute Götter, die das ganze Land zu „paradiesischen Zuständen“ führen könnten, wenn man sie wieder an die Macht bringt.

Es war gar nicht so leicht, die beiden Protagonisten zu entwerfen. Bei Areshva hatte ich ständig Angst, dass ihr Abgleiten auf die dunkle Seite bei den Lesern vielleicht nicht gut ankommt. Obwohl gerade dieses Ausloten der dunklen Seite für mich persönlich extrem faszinierend war. Noch schwieriger fand ich Silvrin. Anfangs dachte ich, ein Mensch, der einfach nur gut ist, wird bestimmt todlangweilig wirken. Aber ich habe schnell gemerkt, dass das nicht stimmt, wenn er seine eigene Persönlichkeit hat. Außerdem kontrastieren sich die beiden gegensätzlichen Charaktere sehr gut, wie ich finde.



Wow. Ich bin jetzt erst einmal baff. Wie viele Gedanken dahinter stecken. Meine Neugier wächst.

Wie lange hast du denn an deiner Dilogie geschrieben?

Ich bin leider nicht so schnell wie manche anderen hier, die du schon interviewt hast. 29 Jahre habe ich gebraucht. Die Grundidee hatte ich als junges Mädchen und meine erste Fassung war nur 60 Seiten lang. Aber ich habe das Manuskript immer wieder verbessert und mehrfach neu ganz geschrieben, und jede Neufassung war länger, schöner und ausführlicher als die Vorversion. Es hat mich einfach nicht losgelassen, ich wollte eine richtig tolle Geschichte daraus machen und das ist mir jahrelang einfach nicht gelungen. Trotzdem habe ich immer weiter geschrieben. Ich habe gemerkt, dass die späteren Bände immer besser wurden, weil ich mit der Zeit herausgefunden habe, worauf ich achten muss. Als ich endlich vor vier Jahren den letzten Band vollendet hatte, war ich mit damit schon richtig zufrieden, fand aber, das sich die Anfangsbände noch auf einem sehr schrecklichen Niveau befanden. Also habe ich mir die nochmal zur Hand genommen und Areshvas gesamte Geschichte neu geschrieben, mit anderem Fokus und besserem Setting. Das hat beim ersten Versuch noch nicht zufriedenstellend geklappt, also habe ich es mehrfach neu aufgezogen. Insgesamt habe ich von 2013 bis 2016 nur an der Neufassung der Areshva-Bände geschrieben (Die späteren Bände haben jeweils andere Protagonisten, Areshva wird dann in eine Nebenrolle rutschen). Ich habe zwischendurch gedacht, ich schaffe es nie. Aber je mehr Arbeit ich investiert habe, desto drängender wurde das Gefühl, dass ich es um jeden Preis schaffen muss, weil es sonst ja völlig verrückt wäre, Millionen von Stunden in ein Projekt zu investieren, das niemals fertig wird. Erst in dem Stadium habe ich auch begriffen, dass ich diesen Druck brauche, dass ich nur unter dem Druck „gut werden zu müssen“ auch wirklich gut schreiben kann. Dass ich so viel Zeit verloren habe, liegt vermutlich daran, dass es in den ersten Jahren nur mein Spaßprojekt war – und nur zu schreiben, wenn es Spaß macht, das funktioniert einfach nicht.



*Schluck* Das finde ich wahnsinnig beeindrucken. Hut ab! Dass du den Mut nicht verloren hast. Ich weiß nicht, ob ich das geschafft hätte.

Deine Protagonistin hast du nun einige Male angesprochen. Was fasziniert dich am meisten an deiner Protagonistin?

Ihre Kraft und ihre Zielstrebigkeit. Sie lässt sich durch überhaupt nichts beirren und will ihr Ziel erreichen, koste es, was es wolle.



Sie möchte ich auf jeden Fall kennenlernen.

Noch eine Frage habe ich an dich. Ebenfalls aus reiner Neugierde: Was fällt dir leichter, zu schreiben? Eine romantische oder eine Kampfszene?

Die Kampfszenen gehen mir eindeutig leichter von der Hand und machen mir viel Spaß. An den romantischen Szenen korrigiere ich am meisten herum, weil bei diesen Szenen schon eine kleine Nuance alles in ein anderes Licht stellen kann. Meine Lieblings-Romantikszenen habe ich alle schon Dutzende Male überarbeitet.



Das ist interessant. Irgendwie dachte ich, dass die romantischen Szenen einfacher sind *lach*

Wir sind schon fast am Ende angelangt, aber natürlich darfst du noch die Frage beantworten, die Jo letzte Woche für dich dagelassen hat.

Jo fragte:

Liebe Anke, welchen Tipp würdest du deinem 16-jährigen Ich heute geben?

Danke, Jo! Wenn ich die Chance doch hätte! Ich würde es nicht bei einem Tipp belassen! Mein Tipp an mich selbst: 1. Verschwende nicht 6 Jahre deines Lebens mit einem Germanistikstudium, denn es bringt dich schreibtechnisch nicht weiter und das M.A.-Diplom wirst du dir später zwar an die Wand hängen, aber da würdest du ohnehin lieber dein erstes Buchcover platzieren (und das würden sich auch mehr Leute ansehen wollen)! 2. Glaub an dich, sag dir nicht dauernd, das klappt eh nicht! 3. Du brauchst unbedingt den Austausch mit anderen Schreibenden. Such dir eine Schreibgruppe im Internet, lies die Texte der anderen und gib ihnen deine Texte – und verdammt nochmal warte damit nicht jahrelang, sei nicht schüchtern und hab keine Angst davor, dass die anderen deine Texte verreißen könnten. Oder noch deutlicher gesagt: Sie werden deine ersten Texte verreißen und das musst du aushalten, weil du sonst nie begreifst, wie du dich verbessern kannst. Deine gewaltigsten Erkenntnisse über das Schreiben bekommst du nicht durch universitäre Weihen, sondern von anderen Schreiberlingen.

(Sorry für diesen kleinen emotionalen Ausbruch, aber das ist tatsächlich für mich ein heißes Thema).



Das ist kein Problem. Ich schätze deine Ehrlichkeit und Offenheit. Generell deine tollen Gedanken, die du mit uns geteilt hast.

An dieser Stelle darfst du deiner Nachfolgerin natürlich auch noch eine Frage stellen. Was wolltest du schon immer einmal von Sarah Nisse wissen?

Liebe Sarah, schreibst du eigentlich auch manchmal Texte auf Französisch oder überlegst, deine Texte auf Französisch zu übersetzen? Und gibt es einen Unterschied zwischen dem Denken/Schreiben auf Deutsch und auf Französisch?



Eine sehr gute Frage. Nächste Woche hören wir die Antwort. Ich bedanke mich recht herzlich, dass du hier warst, Anke.
An meine Leser, ich hoffe, wir konnten euch Ankes Werk ein Stück näher bringen. "Die Göttin der Dunkelheit" erscheint am 30.06.2017 bei Dark Diamonds.

Bis zum nächsten Mal.







Das Werk

Titel: Göttin der Dunkelheit
AutorIn: Anke Unger
Reihe: Die Chroniken der Götter #1
Verlag: Dark Diamonds
Format: E-Book
Preis: 3,99 €
Seitenanzahl: 330
Altersempfehlung: ab 16 Jahren
Möchte ich haben!

ET: 30. Juni 2017



Kurzbeschreibung

**Eine berauschende Welt voller Götter, Magie und Intrigen**

Als Priesterin im Tempel des Lichts dient die temperamentvolle Magierin Areshva ihrer Göttin von ganzem Herzen. Doch dann nehmen düstere Mächte das Land ein und verdrängen die Kräfte des Guten. Areshva sieht nur einen Ausweg, um ihrer Göttin zu helfen: Sie muss sich mit der Dunkelheit verbünden. Nur so kann sie die Zauberkraft erlangen, die sie im Kampf brauchen wird. Doch die Dunkelheit ist ein Pfad voller gefährlicher Versuchungen…

(Quelle und Bildcopyright liegen bei Carlsen Dark Diamonds.)


1 Kommentar:

  1. Danke, Jay! Dieses Interview hat mir richtig Spaß gemacht!

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